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Meine Kirche macht Urlaub mit mir

 

Der Radius der fünfzehn Kartengrüße, die die AC-Gemeinde erreichten, ging mit einer Visite in Big-Apple über Europas Grenzen hinaus; außerdem stattete man sowohl Bella Italia, darunter der wunderbaren Insel Sardinien, dem United Kingdom im Norden, als auch dem lieben Nachbarland jenseits des Rheins einen Besuch ab. Bleibt noch zu melden, dass auch der Südosten mit Rumänien und Kroatien nicht unbesucht blieben.

Einige von denen, die brav in heimatlichen Gefilden geblieben waren, hat es doch tatsächlich in den Norden verschlagen, wobei sich die Frage erhebt, ob die Nordlichter denn diejenigen verstanden, die bekanntlich kein Hochdeutsch beherrschen. Ein Gemeindemitglied hat beteuert, dass man auch in unaussprechlichen Ferienorten prima Urlaub machen könnte, das war in der Nähe von Oldenburg. Die Insel Rügen riss ein Ehepaar zu enthusiastischen Schwärmereien hin, es wimmelte dort nur so von herrlichem Möwenflug, duftenden Ginstersträuchern, rauschenden Ostseewellen und - natürlich - mächtigen Buchenwäldern.
Es blieben auch einige AC-Katholiken bodenständig im Ländle, genossen fromme Andacht im Kloster Heiligkreuztal, grüßten froh aus Baiersbronn und ließen die Imperia aus Konstanz Grüße entsenden, nachdem man sich durch die enge Konzilsausstellung gequält hatte.

Neben den topografischen Zielen geht es nun um die viel interessantere Frage, warum die Gläubigen denn ausgerechnet dorthin und nicht woandershin gereist waren. Ein - eventuell - jüngerer AC-Sympathisant wollte sich einfach mal kurz von seinem Handy trennen und einen konventionellen Kartengruß (Wetter, Essen ...) vom Stapel lassen. Ein anderer - wahrscheinlich älterer Zeitgenosse - besuchte im schweizerischen Riehen die Gerhard-Richter-Ausstellung und wunderte sich, dass die berühmte "Verkündigung" dieses spektakulären Malers nur aus farbigen Wolken bestand.
Radelnde Atlantikurlauber ließen sich von Regen und Wind nicht abschrecken und - erstaunlich - sie waren sogar mal in der Kirche.
„Italy is beautiful" und „Assisi hat viele Heiligtümer".
Wieder andere haben sich weiter in den Stiefel runter gewagt und ihre Begeisterung in witzigen Piktogrammen ausgedrückt.
Rumänien wurde von zwei begeisterten Fans schon zum zweiten Mal heimgesucht um Altbekanntes wiederzusehen und Neues herauszufinden, dabei ergab sich „die Entdeckung der Langsamkeit".
Endlich darf nicht verschwiegen werden, dass eine anonyme Daheimgebliebene mit Gottfried Benn verlauten ließ, Reisen sei eigentlich vergeblich und Zürich sei auch nicht „tiefer" als Rottweil.

 

Renate Greve