Eine Fahne für die Freiheit

 

In einem feierlichen Gottesdienst wurde in Auferstehung Christi in Rottweil eine Fahne gesegnet und gehisst, mit der die Gemeinde ihr Bekenntnis zu Freiheit, Toleranz und Einzigartigkeit der Menschen zum Ausdruck bringen möchte.
Zuvor gab Pfarrer Jürgen Rieger in einer sehr persönlichen Predigt einen Einblick in seine eigene Glaubensgeschichte. So sei er in seiner Jugendzeit von einer Spiritualität der Offenheit und Weite geprägt worden. Die Freiheit des Christentums und die Weite der Weltkirche habe ihn schon von klein auf fasziniert und angezogen. Seit die Kirche vor mittlerweile 60 Jahren mit dem „Aggiornamento" - auf deutsch der „Verheutigung" - des letzten großen Weltkonzils frischen Wind hineingelassen und begonnen habe, den Dialog mit allen Menschen und gesellschaftlichen Gruppen zu suchen, habe sich auch wieder viel Ängstlichkeit und Einmauerung in Traditionalistisches breit gemacht. Feste Regeln seien eben sicherer und vertrauter als die gelebte Freiheit des Christentums.
Als ein Zeichen dafür, sich an diesen freiheitlichen Charakter der Religion und auch der Kirche zu erinnern gründete der Kirchengemeinderat den „Aggiornamento"-Ausschuss und beauftragte ihn mit der Initiierung von Impulsen und Veranstaltungen, welche ein Ausdruck für Freiheit und Kommunikation sein sollen.
Von einem Jugendlichen gestaltet wurde die Fahne heute feierlich gesegnet und gehisst. In ihrer Mitte das Herz, Sinnbild für das Innere jedes Menschen, für den Schatz, den jeder Mensch als Ebenbild Gottes darstellt, behütet von zwei Händen, auf dem Hintergrund des biblischen Regenbogens, Zeichens für den Bund zwischen den Menschen und Gott. Man muss die Fahne von unten nach oben lesen, vom Irdischen zum Göttlichen. Gleichsam unterstrichen wird dies durch das aufgerichtete weiße Kreuz, welches die Mitte und Richtschnur des Glaubens ist.
Wie bereits berichtet, war dieser Gottesdienst Auftakt für eine Veranstaltungsreihe der Kirchengemeinde rund um die Freiheit, Toleranz und Kommunikation. Erste Station war am Samstag Nachmittag und Abend der Spielenachmittag für die Jugend gewesen, der mit einem ansprechend gestalteten Gottesdienst am Samstag Abend und einem Open Air-Kino mit der britischen Komödie „Pride" das Thema Toleranz spielerisch und humorvoll in die Mitte gestellt hat. Nächste Station ist das Nachtcafé am 09.Oktober.

Michael Becker

 

 

 

Fotos: Roland Zimmerer