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Kirchenbau

 

Außenansicht

 

 

Die moderne Auferstehung-Christi-Kirche wurde nach Plänen der bekannten Architekten Hans Kammerer und Walter Belz, Stuttgart und unter der Bauleitung von Architekt Karl Hölle, Rottweil, auf der Spitalhöhe im Süden Rottweils gebaut und am 21. Juni 1970 von Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht geweiht. Das Gelände fällt nach drei Seiten: im Norden zur Bruggerstraße, im Süden zum Klosterbach, im Osten zum Aquasol - an hervorgehobener Stelle, wo der Hang in die Horizontale übergeht. 


So wirkt das Gebäude vom Aquasol her kommend, provozierend massig durch die große Sichtbetonfläche und ist so nicht auf den ersten Blick als Kirche zu identifizieren, sondern wirkt vielmehr wie ein Zelt.


Geprägt durch die Liturgiereform nach dem zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) sollte die neue Kirche ganz anders sein, als sich die bisherigen Kirchenbauten zeigten. Man kann hier von einem „nachkonziliaren" Kirchenbau sprechen, der das biblische Bild von der Kirche als „Zelt Gottes unter den Menschen" aufgreift: Keine Hallenkirche, kein Basilikastil mit klarer Achse (hier Gemeinde- dort Gott), sondern Versammlungsraum mit einer runden Anordnung auf die Mitte hin. So entstand ein Kirchengebäude als Kreisausschnitt mit drei Segmenten zu je 30°, die auf den Altarraum mit Tabernakelnische hin ausgerichtet sind. Die einzelnen Segmentspitzen sind bei der Altarinsel gekürzt. Der Platz für die drei Eingänge wurde möglich durch eine Verschiebung der Segmentaußenbögen.


Das verwendete Baumaterial ist Sichtbeton im Stil der 60er Jahre, der geprägt ist durch starke Plastizität, sozusagen als Abdruck der Natur. Im Zuge der Renovierungsarbeiten wurden die Außenwände mit einem schützenden Putz überzogen, sodass die Holzstruktur des Betons nun außen nicht mehr sichtbar ist.


Der 33 m hohe Turm steht außerhalb im Koordinatenkreuz freistehend hinter der Kirche und zeigt sich zum Hauptbau hin offen. Er ist aufgebrochen in der Grundform und kündet mit der Glocke, was innen geschieht, ist also eine Fortsetzung des Geschehens im Kirchenraum. Die senkrechte Schalung des Sichtbetons lässt den Turm wie eine moderne Skulptur erscheinen. Es fehlt das übliche Kreuz, die Turmuhr oder der Hahn. Schallöffnungen sind im oberen Drittel durch vertikale Schlitze nach allen vier Richtungen angeordnet. Die Grundform entspricht einem U (konkav - gerade - konvex). An den konvexen Turmteil angebunden ist die Wendeltreppe als Stahlbeton-Säule bis zur Glockenstube. Die Anbindungen und Öffnungen sehen aus wie übereinander gestapelte Dominosteine und verleihen daher dem 30 m hohen Turm eine optische Größe. Der Glockenraum ist nicht als solcher zu erkennen und hängt im oberen Turmteil als Gegenpol zur U-Scheibe wie ein Zylinder.


Die Kirche, die in den Berghang hineingebauten kubischen Gebäude des Kindergartens und das, sich von der Kirche nach Westen hin anschließende ehemalige Eucharistinerkloster bildeten ein einheitliches Ensemble aus Sichtbeton in der noch kleinen Siedlungsfläche. Inzwischen wich der Klosterbau einer Bebauung mit Wohnhäusern.

 

 

Innenansicht

 


Die gleiche Formensprache wie außen zeigt sich auch im Innern des Kirchenbaus Die Stahlbetonwände werden zur Plastik, das Baumaterial und Lichtbänder beeinflussen die Wirkung des Raumes, der durch Größe, Weite und Nüchternheit beeindruckt und so dem Anspruch, Versammlungsraum zu sein, gerecht wird. Aufgelockert werden die massigen hohen Außenwände auf der Nordseite durch einen Versatz im Eingangsbereich, sowie zwölf gleich große Fenster in Richtung Osten. Dadurch erhält der Bau seine natürliche Dreigliedrigkeit in der Art ungleicher Segmente. Die Wände neigen sich dem Altarraum zu, ebenso das Pultdach, dessen Höhe im Altarraum am niedrigsten ist. Die gekippten Wände und die stürzenden Decken wirken nicht bedrohlich, sondern sie bergen den Raum für die Gemeinde/ die Gläubigen und lassen den Altarraum lichtüberflutet als herausgehobenen Platz, als Heiligen Bezirk, erscheinen. Der Lichteinfall zentriert alles auf den Altarraum: umlaufende Lichtbänder, auf denen die überdimensionalen Wände zu schweben scheinen. Der Altarraum öffnet sich nach oben durch indirektes Licht.

 

Sichtbeton und Granit sind die vorherrschenden Baustoffe. Aus Beton sind alle Wände und Decken, auch die Deckenträger und die Empore, aus Granit waren Boden und Altar. Seit dem Umbau im Jahr 2000 besteht der Boden aus geschliffenem Granitbeton. Auf Farbigkeit und Bemalung wurde völlig verzichtet. Erst später wurden die Wände hinten weiß gestrichen und die roten Flächen in den Boden eingelassen. Dazu kontrastiert das helle Holz der Wandverkleidungen, der Bänke, der eingebauten Beichtstuhlwand und der Orgel.

 

Als Bodenbelag dienten ursprünglich Granitsteine -Straßenpflaster- nichts anderes als das, was draußen ist. Auch die Beleuchtung ähnelt Straßenlaternen, die die Wege zum Zentrum beleuchten. So zeigt sich die Kirche nicht als abgehobener Sakralbau, sondern schafft die Verbindung zwischen draußen und drinnen, zwischen der menschlichen Lebenswelt und Gott und wird setzt auf diese Weise das „aggiornamento"- dem Impuls des 2. Vatikanums zu einer Öffnung in die Welt architektonisch um.

 

Richard Burkard, 2011

 


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