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Der Kreuzweg

 

Meditation zum Kreuzweg


Vorbetrachtung

 

Der Kreuzweg wird von drei Farbtönen beherrscht. Ein bedrückendes Schwarz liegt wie ein drohendes Gewölk über den einzelnen Szenen des Weges der Schmerzen.


Die Nacht des Todes bricht herein und das Leben erstickt im Hauch des Hasses und unter dem Ausbruch menschenverachtender Gewalt. Ein grauer Schleier unter dem schwarzen Gewölk steigert die Beklemmung. Grau ist ein nichtssagender Farbton, der durch seine Neutralität und Kühle dem übermächtigen Schwarz das Feld überlässt. Gleichgültigkeit, Unentschiedenheit und Teilnahmslosigkeit waren seit eh und je Steigbügelhalter derer, die mit brutaler Macht die Menschen bedrohen und ihr Leben zerstören.


Im harten Gegensatz zu den Farbtönen Schwarz und Grau ist das Rot des Gewandes Jesu der symbolhafte Farbton für die Ohnmacht der Liebe, die in dem leidenden Gottessohn verkörpert ist. Sie scheint zu verlöschen im übermächtigen Tod, erfährt aber in der Auferstehung Jesu ihren Triumph. (F. Friedrich)

 

 

 

 

1. Station: Jesus wird zu Tod verurteilt

 

Über dem blutüberströmten, geschmähten und entstellten Haupt Jesu zerbricht der Stab der irdischen Gerechtigkeit. Die grausamste Strafe jener Zeit musste der erleiden, der nur Gutes getan hatte. Wo blieb die Stimme derer, die Du aufgerichtet und geheilt hattest?

 

Gebet:
Auch wir, Herr, haben durch unsere Gleichgültigkeit an diesem Urteil mitgewirkt, wenn wir uns nicht eindeutig zu Dir bekennen. Vergib unsere Laschheit, stärke unseren Glauben und ermutige uns zum Zeugnis für das Heil, das wir durch Dich erfahren haben.

 

 

2. Station: Jesus beugt sich unter das Kreuz

 

Jesus weiß um die Last dieses Kreuzes. Sie hat ihm schon am Ölberg das Blut aus der Haut getrieben. Wer kann diese Schuld tragen? Das kann nur Gott durch seinen Sohn, dem Bruder der Menschen. Wo dieses Kreuz aufliegt, schmerzen die Wunden der Geißelung. Nichts an diesem Leib ist noch unversehrt. Auch der Leib Christi, die Kirche hat unzählige Wunden und leidet unter der Last der Schuld.

 

Gebet:
Ja, Herr, lass uns mit Dir die Last der Schuld tragen, die wir, Deine Kirche, auf Dich geladen haben. Lass uns teilhaben am Schmerz über die Sünde und hilf uns zu vergeben, wie Du vergeben hast.

 

 

3. Station: Das Kreuz drückt Jesus zu Boden

 

Der geschwächte Leib Jesu fällt unter der Last auf den steinigen Boden. Neue Wunden brechen auf. Jesus ist zum Schauspiel geworden für die sensationslüsternen Zuschauer an seinem Leidensweg. Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit reichen sich die Hand in der grauen Masse. Wo sich Mitleid rührt, erstickt es in der Angst. Vor kurzem noch sind viele von ihnen weite Wege gegangen um sich von Ihm heilen zu lassen. - Wie hätten wir uns verhalten?


Gebet:
Was ist die Last, die wir in unserem Leben zu tragen haben, gegenüber dieser Last, Herr?
Wir hören uns klagen, Du aber trägst und schweigst. Du betest sogar für die Menschen, die Dein Leiden unbeeindruckt lässt. Wir bitten Dich mach uns zu Menschen, die sich erbarmen und für die beten, die uns zur Last fallen.

 

 

4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter

 

Ein Schmerz begegnet den anderen. Das Schwert, von dem der weise Simon gesprochen hat, bohrt sich in das Herz der Mutter. Ihr Sohn wird unschuldig zum Verbrecher abgestempelt und zu Tode gequält. Die Bosheit der ganzen Welt hat sich gegen ihren Sohn verschworen. Jesus weiß in diesem Augenblick, dass seine Mutter auch im tiefsten Leid an ihn glaubt und ihn nicht verlässt. Er ist dankbar für ihre Liebe, die ihn stärkt.


Gebet:
Herr, zu allem Schmerz an Leib und Seele trifft Dich der Schmerz Deiner Mutter besonders tief, weil Du ihr die bitteren Fragen nicht ersparen kannst, die in ihrem Herzen aufbrechen. Doch die Liebe ist stärker als alles Leid. Du betest für sie, dass sie stark bleiben möge. Hilf uns, Herr, dass wir in den Momenten tiefster Verzweifelung wider alle Vernunft glauben und beten.

 

 

5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus

 

Ein Fremder wird gezwungen, dem entkräfteten Jesus beizustehen. Der Fremde weiß nicht, wie ihm geschieht; er muss mittragen, ob er will oder nicht. Dabei begegnet er dem Blick Jesu. Er weiß jetzt, wem er hilft. Er weiß auch, dass er jetzt eine Last zu tragen hat, die ihn überfordert. Das Erbarmen aber gibt ihm die Kraft, jetzt ganz für den Gemarterten da zu sein.


Gebet:
Leidender Jesus, manchmal muss man uns nötigen, einem Notleidenden beizustehen. Dann lass uns in ihm Dich erkennen, der Du aus Liebe zu uns diesen schmerzvollen Weg gegangen bist. Du trägst auch heute alle Last der Welt. Schenke uns Deine Liebe, damit wir bereit sind, an dieser Last mitzutragen.

 

 

6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

 

Es war in dieser hasserfüllten, aber auch teilnahmslosen Umgebung nicht einfach, sich durch einen Erweis des Mitgefühls zu Dir zu bekennen. Wie viele sind durch Dein Erbarmen heil geworden! Auch Veronika ist Dir durch ihr Erbarmen nahe gekommen und durfte Heil erfahren.


Gebet:
Herr in beispielloser Weise hast Du Dich der Menschen angenommen. Du hast durch Dein Leiden unsere Trauer und Not von uns genommen und unsere Tränen getrocknet. Führe uns durch Deinen Geist zu jenen Mitmenschen, die des Trostes und der Aufrichtung besonders bedürfen.

 

 

7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

 

Nur äußerst mühsam kann sich Jesus noch auf den Beinen halten. Die Last des Kreuzes und die schwindenden Kräfte lassen ihn wieder zusammenbrechen. Simon kann die Kreuzeslast gerade noch auffangen.


Gebet:
Erniedrigter Herr, Du bist dem Moment nahe gekommen, da Dich die Kräfte ganz verlassen. Du wolltest Deinen Weg zu Ende gehen. Es gibt Situationen in unserem Leben, wo alles über uns zusammenbricht. Dann sei uns nahe und fange die Last auf, die uns zu erschlagen droht.

 

 

8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen

 

Jesus schlägt eine Mitleid entgegen, das an der Oberfläche bleibt. Sicherlich fällt es den weinenden Frauen schwer, einen Menschen so leidend erleben zu müssen, aber ihre Trauer reicht nicht über sie selbst hinaus, darum verweist sie Jesus auf sie selbst und auf die traurige Wirklichkeit, dass Jerusalem die Zeit der Gnade nicht erkannt hat. Dieses Versäumnis fällt auf Jerusalem wie eine Lawine des Todes zurück.


Gebet:
Herr, Dir ist die Not vor Augen, die über alle hereinbricht, die hören und doch nicht hören können, weil ihr Herz in dieser Welt zu Hause ist. In Deiner eigenen Todesnot schmerzt Dich die unvermeidliche Katastrophe, die über Jerusalem hereinbrechen wird. Gib, dass wir nicht bei uns selbst bleiben und nicht taub werden für Dein befreiendes Wort. Mach uns hellhörig und offen für das Heil, das Du uns zugesagt hast.

 

 

9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

 

Seine körperliche Kraft ist erschöpft. Am Ende seines irdischen Weges deckt die Last der Sünden der Welt den, der sie auf sich genommen hat, förmlich zu. Auch die Last unserer Sünden liegt schwer über ihm. Es drängt uns, das Kreuz aufzuheben, das auch Simeon nicht mehr zu tragen vermochte und uns einzureihen in die Schar derer, die unter der Sünde leiden.


Gebet:
Mann der Schmerzen, am Ende Deines Leidensweges liegt das Kreuz über Dir. Auch wir scheinen manchmal erdrückt zu werden von den Lasten, die wir alleine nicht tragen können. Du bist uns in allem Leid vorausgegangen und bist jedem besonders nahe, der am Ende seiner Kräfte ist. Wir konnten Dich nicht aufrichten, aber Du wirst uns aufrichten, wenn wir ohnmächtig am Boden liegen.

 

 

10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt

 

Sie nehmen ihm alles, was ihn noch schützen könnte. Er soll ausgelöscht werden in Schmach und Schande und unter den hämischen Blicken seiner Feinde wie ein Tier verenden. Niemand soll sich seiner mehr erinnern.


Gebet:
Entwürdigter Herr, die ganze Bosheit, zu der Menschen fähig sind, hat sich an Dir ausgetobt und Du hast es an Dir geschehen lassen. So tief beugt sich die Liebe hinab, um der in tiefster Schuld verstrickten Menschheit Sühne und Vergebung zu erwirken! Wir bitten Dich, lass uns von Deiner Demut und Selbstlosigkeit lernen.

 

 

11. Station: Jesus wird an das Kreuz genagelt

 

„Nun ist dieser Weltverbesserer festgenagelt. Er kann kein Unheil mehr anrichten", frohlocken die Pharisäer und Schriftgelehrten. „Jetzt kann er seine Macht beweisen. Jetzt kann er zeigen, ob er sich selbst aus der Schande dieses Todes befreien kann. Er wird sich als der Scharlatan erweisen, der vergeblich versucht hat, unsere Macht über das Volk in Frage zu stellen."


Gebet:
Gekreuzigter Jesus, am Schandpfahl des Kreuzes ist mit Dir die unendliche Liste der Sünden dieser Welt angeheftet. Deine unbegreifliche Liebe hat ihr Ziel erreicht. „Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf!"

 

 

12. Station: Jesus stirbt am Kreuz

 

„Es ist vollbracht!"
Die Liebe hat alles, was der Widersacher Gottes sich an Niederträchtigkeit, Unmenschlichkeit und Quälerei ausgedacht hat, überdauert. Der Tod „des einen Menschen" wurde für uns Menschen der Eintritt in ein unvergängliches Leben. So wenig der Mond das Licht der Sonne löschen kann, so wenig kann der Hass die Liebe ersticken.


Gebet:
Leibhaftige Liebe des Vaters, Du hast für uns alles hingegeben, damit wir sündige Menschen alles gewinnen. Wie können wir Dir danken, der Du uns Freunde nennst und für uns in einen bitteren Tod gegangen bist? Hilf uns durch Deinen Geist, dass wir Deine Hingabe für uns in unserem Herzen bewahren und bereit sind Dir mit Freude zu dienen an dem Platz, wo wir gebraucht werden.

 

 

13.Station: Jesus liegt im Schoß seiner Mutter

 

Jesus kehrt dorthin zurück, wo er zur Welt kam, gemartert und getötet von denen, die ihn schon bei seiner Ankunft in diese Welt nicht angenommen haben. Die Wunde im Herz der Mutter ist tief. Kann man da noch an die Verheißung Gabriels glauben: „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden!" ? Nur die Liebe glaubt alles. Die Liebe verlässt sich ganz auf Gottes Wort und kann den Anblick dieses so furchtbar zugerichteten Leibes Jesu verkraften. „Denn für Gott ist nichts unmöglich!" Diese Aussage des Engels gab ihr die Kraft, alles zu überstehen.


Gebet:
„Ich und der Vater sind eins." Vater unseres Herrn Jesus Christus, auch wir wollen mit ganzem Herzen glauben, dass Dein Einssein mit dem Sohn ewiges Leben bedeutet. Du hast mit dem Sohn gelitten und warst im Tode mit ihm eins. Dein Wille war sein Wille, darum ist Deine Ewigkeit auch seine Ewigkeit. Du gibst diesem Leib das Leben zurück, Du stellst ihn wieder her in der Herrlichkeit, die Du mit Deinem geliebten Sohn jetzt teilst. Du hast Maria, seiner Mutter, den Glauben gegeben, der alles überdauert. Für Dich ist nichts unmöglich.

 

 

14. Station: Der Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt

 

Ein scheinbar zerstörter Leib ruht aus um in neuer Schönheit zu erstehen.. Das Weizenkorn liegt in der Erde, um neues Leben zu wecken und reiche Frucht zu bringen.

 

Gebet:
Herr des Lebens, Du hast dem Tod des Menschen durch Deinen Tod das erschreckende Ende allen Seins genommen und ihn zum Tor in ein neues ewiges Leben erhoben. Der Stachel des Todes ist zur Gnade des Todes geworden. Dafür wollen wir Dir alle Tage unseres Lebens danken und uns bereiten für das Geschenk der Heimkehr zu Dir. Bestärke uns in diesem Glauben! Amen

Kreuzwegmeditation von Franz Friedrich

 

 


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