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Die Kreuzesplastik von Franz Bucher, Kunstbildhauer Dietingen (1929-1995)

 

Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen.
(Phil 3.10)

 

Unsere Kreuzesplastik in der Kirche ist nicht sehr realistisch, eher abstrakt, so dass sich nicht jeder mit ihr anfreunden kann. Sie hat jedoch einen hohen Aussage- und Verkündigungswert.


Im unteren Teil der Plastik -abgesetzt vom Ganzen- dominiert die schwarze Fläche. Sie symbolisiert das Grab und damit alles, was menschliches Leben einschränkt und einengt, in letzter Konsequenz das Sterben. Den oberen Teil der Plastik charakterisiert die goldene Farbe und Christus am Kreuz.


 

Das Gold versinnbildlicht die Verheißung, auf die wir zugehen, die Verheißung über die Vollendung dieser Welt, über das Ende von Not, Elend und Tod.

 

Christus, unser Herr, ging aus seinem scheinbaren Untergang als Sieger hervor und hat uns den Zugang in diesen neuen Lebensbereich eröffnet.


Hier ist das christliche Lebensgesetz dargestellt, das für uns so schwer begreiflich ist und, das den beiden Emmausjüngern verständlich zu machen, Jesus einige Mühe kostete: „Was seid ihr so blind! Wie schwer tut ihr euch zu glauben, was die Propheten vorausgesagt haben! Der versprochene Retter musste doch erst dies alles erleiden, um zu seiner Herrlichkeit zu gelangen" (Lk 24, 25-26).


Hier ist das Ostergeheimnis verkündet: durch Leiden und Tod zu Auferstehung und ewigem Leben.


Verklärt diese Botschaft nicht auch unser Leid? Nicht nur, dass am Ende das ewige Leben steht, sondern dass Gott jedes Leid und jegliche Form des vielfältigen „Sterbens" in einem Menschenleben fruchtbar zu machen weiß für den Betreffenden wie für andere gemäß dem fruchtbaren Tod Jesu Christi.


Mit einer solchen Aussicht ist menschliches Leid zu ertragen, nachdem wir alles uns Mögliche, es zu beheben, getan haben.

 

Siegfried Neubrand im Gemeindebrief ‚Die Brücke' 77/1

 

 

Das Chorkreuz


Betritt der Besucher eine christliche Kirche, erwartet er, ein Kreuz zu sehen; entweder im Kirchenbau selbst durch Längs- und Querschiff gebildet, oder als Altar- oder Chorkreuz. Die großen, alten Kreuze, noch aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit, hängen oder stehen im Chorraum, sind im Barock oft in den Altar integriert. Das war bis zur Mitte des 20.Jh. in der Regel so.

 

In unserer „Auferstehung-Christi-Kirche" findet sich die Kreuzform in vielen Details wohl, aber ein solches Hauptkreuz nicht.

 

An der hohen Sichtbetonwand im Chorraum hängt dagegen über dem „Priestersitz" ein aus Aluminium gegossenes längsrechteckiges Relief von Franz Bucher (gest. 19..).

 

Der Künstler schreibt über seine Arbeit:
„Ich habe versucht, eine Form des Kreuzes zu finden, in der der Gedanke der Auferstehung mitenthalten ist. Drei übereinander gestaffelte Reliefplatten ergeben zusammen eine senkrechte Form, die durch Farbflächen betont wird. Die mittlere der Platten enthält die Darstellung des Gekreuzigten."1


Er betont, Altar, Ambo und Priestersitz ebenso wie Tabernakel und Kredenz -alle im Chorraum- seien optisch und inhaltlich „angeordnet und geformt, dass sie sich sowohl auf diesen Raum als auch aufeinander beziehen."2


Er fährt fort: „...alle „silbern" getönten Stücke denke ich mir in Aluminiumguss (AlMg3)...Die in Aluminiumguss hergestellten Teile werden nach dem Guss so überarbeitet, dass sie stellenweise Glanz erhalten. Für die Darstellung des Kreuzes habe ich zusätzlich Farbe vorgesehen, die ich jedoch so zurückhaltend verwenden will, dass der metallische Charakter der Reliefgruppe erhalten bleibt."

 

Siegfried Haas bezeichnete dieses Relief, das durch farbliche und formale Abwechslung in sich sehr vielschichtig wirkt, lapidar als „Siegeszeichen der Auferstehung" Es zeige den Weg aus dem Dunkel (Schwarz) ins Licht (Gold).

 

Eine genaue Betrachtung zeigt, dass der durch die alten symbolischen Farben vorgezeichnete Weg entschieden komplexer, in den farblichen und strukturellen Stimmungen wechselhafter, ungleichmäßig, mehrfach unterbrochen ist.


Wichtig ist der Hinweis: „Die Kreuzgestalt tritt uns in wenigen Konturen entgegen." Haas spricht vom „verborgenen Gott" (deus absconditus), der „dem Glaubenden allein gewiss" sei.3


Es ist lohnend, sich länger mit diesem Kreuz-Relief von Franz Bucher betrachtend und meditierend zu beschäftigen, dem Symbolsinn der Reliefstrukturen und ihren Farben selbst geduldig nachzuspüren.

 

Siegfried Körsgen Juni 2011


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1 F. Bucher im Bewerbungsschreiben „Beschreibung meiner Wettbewerbsentwürfe" vom 20.09.1969 an Dekan Dr. Ochs.
Das Angebot beinhaltet insgesamt 12 Werke. Franz Bucher führte davon nur eines aus: das Chorkreuz
2 a.a.O.
3 S. Haas im Manuskript und im Gedächtnisprotokoll seiner Kirchenführung vom 24. Okt. 2010.

 


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