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Das Marienbild von Siegfried Haas (1921-2011)

 

Gott im Zeichen der Wolke bleibt unsichtbar; aber er ist da und lässt uns etwas von sich -seine Hand wird sichtbar- sehen und erahnen in dem Menschen Jesus Christus, der Mensch wurde aus Maria durch den Heiligen Geist. Auf ihn zeigt die Hand: „Dies ist mein geliebter Sohn". Und aus diesem Bewusstsein spricht Christus: „Wer mich sieht, sieht den Vater". Diesen Gottmenschen empfängt Maria. Aus ihrem Schoß, als dem Urgrund der Menschheit, steigt er auf. Maria fühlt sich ganz im Dienste Gottes; sie spricht ihr großes Ja. Mit ihren Armen umschließt sie liebend dieses Geschenk. Jedoch wird diese Idylle der hegenden Arme Mariens jäh durchbrochen. Mit seinen Armen sprengt das Kind die Grenzen des Besitzen - Wollens. Wir hören seine Worte: „Wer ist mir Vater und Mutter?" - „Frau, was habe ich mit dir zu schaffen?" Maria muss erfahren, Christus ist nicht ihr Kind, das allein ihr gehört. Sie muss es hergeben für die Menschen. In dieser Losschälung besteht Marias Kreuz.


So ist die Kirche -versinnbildlicht durch Maria- nicht Selbstzweck. Sie, wie auch jeder Einzelne von uns, muss sich unter Schmerzen freimachen für andere. Nur in selbstlosem Dienst bringen wir wie Maria -als Kirche und als Einzelne- der Welt Christus, und lassen so etwas aufleuchten von der Größe Gottes, die Christus sichtbar macht im Kreuz (das Kind ist in Kreuzesform dargestellt), dem Schnittpunkt aller Kräfte und Gewalten. Dieses Kreuz -einst Schandpfahl- wird zum Siegeszeichen, zum Mittelpunkt der Geschichte.


An diesem Bild -es ist beim Eingang der Kirche und in der Nähe des Taufbrunnens aufgestellt- kann jeder, der die Kirche betritt oder durch die Taufe in sie aufgenommen werden möchte, ablesen, wie er selbst von Gott beschenkt wird und sich selbst wieder weiterschenken muss an andere.


Pater Siegfried Neubrand im Gemeindebrief ‚Die Brücke' 1976/3

 

 

Kunst in Auferstehung- Christi: Maria Theotokos.

 

Wer Maria als `Schutzfrau´ der christlichen Waffen im Schilde führt, und eyffrigst verehrt, der hat an der Victori nicht zu zweifflen."

(aus: ,Geistlicher Kramerladen...Würzburg 1710, S. 60 zit. nach: Veit / Lenhart, Kirche und Volksfrömmigkeit im Zeitalter des Barock. , Herder Freiburg 1956, S. 60, Anm. 7).


So triumphierend gewiss pries der Schwabe, Augustiner-Provinzial und Hofprediger am Wiener Kaiserhof, Abraham a Santa Clara (Ulrich Megerle, 1644-1709) Maria, nach der nicht nur in Wien die Mariahilferstraßen heißen, sondern auch das kirchliche Fest „Maria von dem Siege" - gemeint ist der am Kahlenberg 1683 über die Türken vor Wien.


Noch heute ertönt mancherorts um 11 Uhr das frühere Öschläuten als „zweiter Angelus contra turcos".


Von solcher inbrünstig-hochmütigen Marienverehrung weiß auch die ehemalige Reichsstadt Rottweil. In Predigerkirche und Münster-Seitenaltar wird der „Trösterin der Betrübten", der „Hilfe der Christen", der „Königin des Friedens" und ihrer „Augenwende" in Deckenbildern und Skulptur gedacht.


Mag diese historisch-volkstümliche Frömmigkeitspraxis auch ihren Wert haben, zu einer theologisch einsichtigen Begründung reicht sie nicht aus. Freilich finden sich in der zitierten Lauretanischen Litanei auch noch andere Bezeichnungen für die „Gottesgebärerin".

 

„Wenn der Auferstehung gedacht wird, muss in erster Linie auch der Mutter des Getöteten und Auferstandenen gedacht werden. Drum stiftete Dr. Ochs, (Dekan und Stadtpfarrer am Münster in Rottweil) dem wir die Kirche verdanken, in ihre Mitte die zentrale Marienfigur mit ihrem Kind und dem Heiligen Geist; aus dem Werkstoff der Taufkapelle, Aluminium, gegossen.


Sie wird Tag und Nacht von den Gläubigen verehrt durch die Fülle der Kerzen.


Eine eher „romanische" theotokos als eine „schöne" aus der Gotik; in den Konturen zum Teil auch nur angedeutet. Herausgehoben sind Kopf und Blick sowie das Kind, ohne Beine aus dem Schoß der Mutter. Seine Kreuzfigur bezeichnet die Segnung, den Segen der Welt: Soter- der Erlöser. Maria sitzt auf dem und ist zugleich der „Gnadenstuhl".

 

So formuliert Siegfried Haas selbst seine Marienfigur; als eine bewusste Abwendung von der „schönen" wie von der liebenden Mutterfigur der Spätgotik.


In den Messtexten zum Fest Mariä Verkündigung am 8. Dezember finden wir aus dem „Buch der Weisheit" des AT die begründenden, nüchtern formulierten Aussagen, weitgespannt in ihrer Gültigkeit.


Da wird in der Lesung auf Maria bezogen, was biblisch von der Weisheit, also von Gott selbst, gesagt ist: „Der Herr besaß mich im Anfang seiner Wege, bevor er etwas geschaffen hat, von Anbeginn. Von Ewigkeit her bin ich eingesetzt, von Urbeginn, bevor die Erde ward."... (Spr.8,22-35. zit. nach Schott, Messbuch, Freiburg 1930), ehe als Evangelium die Verkündigung (Luk.1.26-28) berichtet wird.


Dass diese Figur in der Taufkapelle hängt, ehemals also über dem Taufbecken, ist eine zusätzliche theologische Begründung, ist nicht nur symbolisch gemeint. Von hier aus entsteht, dargestellt in den beiden rot-weißen Glasfenstern (siehe diese), eine Klammer zwischen der Taufkapelle und dem Tabernakel im Altarraum.


Zusammen laden diese vier Kunstwerke von S. Haas zu einer zeitgemäßen Verehrung der Gottesgebärerin (theotokos; dei genetrix) ein.


S. Körsgen, März 2011

 


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