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Liturgischer Rundgang

 

 

Wer durch eine der drei Türen eintritt, dem öffnet sich ein weiter, heller Raum, dessen ungewöhnliche halbrunde Architektur dem Kirchenraum den Charakter eines Versammlungsortes verleiht. Der graue Sichtbeton gewinnt an Klarheit und Struktur und kontrastiert zum warmen gelbbraunen Holz der Bänke und der Orgel. Zahlreiche Lichtbänder durchbrechen die Betonmauern und lassen die Kirche zu jeder Tages- und Jahreszeit in einem anderen Licht erscheinen. Wer nach oben schaut, wird feststellen, dass das Dach im Bereich des Altarraums ebenfalls Lichteinfall zulässt. Die ganze Architektur ist auf die Mitte unseres christlichen Glaubens ausgerichtet. Das Straßenpflaster auf dem Kirchenvorplatz wurde ursprünglich in der Kirche fortgesetzt und schaffte so die Verbindung von draußen und drinnen. Durch drei Türen sind die Menschen aus allen Richtungen in die Kirche eingeladen, zur Feier von Tod und Auferstehung Jesu Christi. Mehrere Gänge führen zwischen den Bankreihen zum Altarraum, die Deckenstreben sind mit einer leichten Neigung ebenfalls zum Altarraum , auf die Mitte des christlichen Glaubens, ausgerichtet. Die ganze Kirche ist ein Zeugnis des Glaubens an Tod und Auferstehung, sowohl in der Architektur wie auch in der Ausstattung. Dieser Rundgang will dazu einladen, sich auf die Spuren unseres Glaubens zu begeben und Gott in der Vielfalt des Gotteshauses zu entdecken.

 

 

1.Grundstein

 

 

In einem feierlichen Gottesdienst legte Dekan Dr. Ochs am 25. April 1968 die in lateinischer Sprache verfasste Gründungsurkunde in den neben dem damaligen stadtwärts gewandten Haupteingang eingemauerten Grundstein. Es steht geschrieben, die Gemeinde soll Herz und Haupt der Vorstadt sein und als Stadt auf dem Berg die Auferstehung des Herrn verkündigen.Beim Bau der Kirche wurde in den Grundstein in einem metallenen Gefäß folgender Bibeltext eingemauert:

 

Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Röm 6.3-4


Impuls: Dieser Text von Paulus aus seinem Brief an die Gemeinde in Rom ist zugleich an jeden von uns gerichtet. Welche Bedeutung hat er in meinem Alltag? Was ist der Grund, auf dem ich stehe? Aus welcher Hoffnung lebe ich?

 

2. Taufkapelle

 

Erst mit dem Umbau im Jahr 2000 wurde das Taufbecken aus der Taufkapelle im hinteren Teil der Kirche entfernt und in die Mitte der Gemeinde gerückt. Nun wird besonders deutlich, dass eigentlich die komplette Taufkapelle die Form eines großen Beckens hat, in das mehrere Stufen hinabführen. In den ersten Jahrhunderten wurden die Täuflinge noch komplett untergetaucht, um zu verdeutlichen: Der Tod ist überwunden. Nun beginnt wirklich ein neues Leben mit Christus.

 

 

Hier befindet sich auch eines der beiden bunten Fenster unserer Kirche: Es zeigt zwei rote Strahlen, die sich von oben und unten in der Mitte begegnen.

 

Impuls: Die Taufe ist ein Sakrament, dass besagt: Gott begegnet dir in Liebe. Er sagt: Mein geliebtes Kind bist du.

 

 

3. Marienfigur in der Taufkapelle

 

Über der Marienfigur ist eine Wolke als Zeichen der verborgenen Gegenwart Gottes. Aus dieser Verborgenheit heraus handelt Gott an Maria und an jedem Glied seines Volkes. Maria wird zur Mutter Gottes. Auf das Kind in ihren Armen zeigt die Hand: Dies ist mein geliebter Sohn. Aber das Kind tritt aus der Umarmung Marias heraus. Maria muss erfahren, dass Christus nicht ihr allein gehört. Sie muss ihn hergeben für uns Menschen. Darin besteht Marias Kreuz. Von Gott ist sie dafür auf den Gnadenthron erhoben.

Das Kreuz ist in der Figur des Kindes deutlich sichtbar. Es trägt mit dem Kreuz zugleich seinen Segen in die Welt hinaus.

 

Impuls: Maria trägt nicht nur ihr Kind, sondern auch unseren Trost, unsere Hoffnung, unsere Angst und unsere Not. Dafür stehen die brennenden Kerzen am Marienaltar. So dürfen wir Maria als Mutter Jesu auch um Fürbitte bei ihrem Sohn bitten.

 

 

4. Kreuzweg

von Franz Friedrich, Rottweil

 

In 14 Stationen erzählen die Bilder von Franz Friedrich in kräftigen Farben und klaren Formen von Tod und Auferstehung Jesu.


Drei Farben sind vorherrschend:

  • Schwarz, als Farbe der Nacht und des Todes, als Farbe der menschenverachtenden Gewalt und des Hasses. 
  • Grau, als nichtssagender Farbton, der Gleichgültigkeit und Unentschiedenheit symbolisiert.
  • Rot, im Gewand Jesu, als Ausdruck seiner Liebe, deren Ohnmacht im Bild der Auferstehung zur Farbe des Triumphs wird

Impuls: Die Bilder laden ein, zusammen mit dem Weg Jesu auch das eigene Leben zu bedenken und zu meditieren. Welche Farben kennt unser Leben?

 

 

5. Ambo

 

 

Als Tisch des Wortes steht der Ambo rechts vom Altar und ist so ausgerichtet, dass der Blick der Gläubigen von einer bestimmten Stelle aus in gerader Linie über den Ambo hinweg und durch die aufgebrochene Stelle im Tabernakel direkt auf das Auferstehungsfenster fällt.


Der Ambo ist zweigeteilt: Am oberen Predigtpult wird das Wort Gottes verkündet und gelehrt Am unteren Lesepult lädt die aufgeschlagene Bibel jeden Kirchenbesucher zum Lesen der Bibel ein.

 


Impuls: Selig sind, die nicht sehen und dennoch glauben (Joh 17,17)
Glauben wir wirklich, dass Jesus jetzt in unserer Mitte ist? Was können wir mit unserem Herzen sehen?

 

 

6. Altar

 

 

Mittelpunkt der Kirche ist der Altar als Zentrum der Eucharistiefeier und der versammelten Gemeinde. Auf ihn sind die Gänge, die Bankreihen, selbst die Deckenstreben hin ausgerichtet. Von ihm führen die Wege wieder hinaus in unseren Alltag.


Es ist ein Altar „unter den Menschen", von allen Seiten einsehbar und nur durch wenige Stufen heraufgehoben. Die Bankreihen und die Sitzgelegenheiten hinter dem Altar umschließen den „Tisch des Brotes" und den „Tisch des Wortes" in einem offenen Kreis. Priester und Laien versammeln sich gemeinsam um den Altar und feiern hier die Verbundenheit mit Christus und untereinander. Die schwere Tischplatte aus Granit liegt auf einem Kreuz aus Stein, das ebenfalls aufgesprengt, nicht mehr festgefügt, ist.

 

Impuls: Ich bin das Brot, das Leben schenkt (Joh 6,35)

 

Ein Mensch wie Brot
Er lehrte uns die Bedeutung und Würde
des einfachen unansehnlichen Lebens
unten am Boden
unter den armen Leuten
säte er ein
seine unbezwingbare Hoffnung
Er kam nicht zu richten sondern aufzurichten
woran ein Mensch nur immer leiden mag
er kam ihn zu heilen
Wo er war
begannen Menschen freier zu atmen
Blinden gingen die Augen auf
Gedemütigte wagten es zum Himmel aufzuschauen
und Gott ihren Vater zu nennen
sie wurden wieder Kinder
neugeboren
er rief sie alle ins Leben
Er stand dafür ein
dass keiner umsonst gelebt
keiner vergebens gerufen hat
dass keiner verschwindet namenlos
im Nirgends und Nie
dass der Letzte noch
heimkehren kann als Sohn
Er wurde eine gute Nachricht
im ganzen Land ein Gebet
ein Weg den man gehen
und ein Licht
das man in Händen halten kann
gegen das Dunkel
Ein Mensch wie Brot
das wie Hoffnung schmeckt
bitter und süß
Ein Wort das sich verschenkt
das sich dahingibt wehrlos
in den tausendstimmigen Tod
an dem wir alle sterben
Ein Wort
dem kein Tod gewachsen ist
das aufersteht und ins Leben ruft
unwiderstehlich
wahrhaftig dieser war Gottes Sohn

 

(Aus: Lothar Zenetti, Auf Seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht, Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag 2000)

 

 

7. Das Chorkreuz

 

Das dreigeteilte Kreuzrelief von Franz Bucher erschließt sich von unten nach oben. Unten steht die schwarze Fläche für das Grab und alles, was menschliches Leben zugrunde richtet. Dagegen steht das Gold im oberen Teil, in dessen Glanz der Gekreuzigte- oder ist es der auferstandene Christus- zu sehen ist, der Not, Elend und Tod überwindet.


Das Chorkreuz lädt zur eigenen Betrachtung ein.

 

Impuls: „.. unten das Grab, oben das Licht, Jesus dazwischen ausgespannt als Brücke vom Tod zum Leben." (Siegfried Haas)
Ist es wirklich nur eine einzige Kreuzesdarstellung oder lassen sich noch viele andere Kreuze entdecken? Könnte eines davon mein Kreuz sein?
Manche Stellen sind dezent rot gefärbt. Welche Bedeutungen werden dieser Farbe zugeschrieben?

 

 

9. Tabernakel und Osterfenster

 

 

Eine aufgesprengte, auseinandergespaltene Säule trägt den Tabernakel, in dem die verwandelte Hostie, der Leib Christi, aufbewahrt wird. Das immer brennende, ewige Licht auf der Tabernakelsäule zeigt die Gegenwart Christi an. Seinen Namen hat der Tabernakel vom lateinischen Wort für Zelt. Das Tabernakel-Relief deutet Gräber mit dem Grab Christi in der Mitte an, auf die durch den Spalt der Säule das Licht des Auferstehungsfensters in vielen Rottönen fällt.

 

 

Impuls: Tabernakel und Auferstehungsfenster verbinden zwei Worte Jesu:
Ich bin das Brot des Lebens! (Joh 8,12) Ich bin das Licht der Welt.(Joh 6,48)


Jeder Sonnenaufgang ist ein beeindruckendes Schauspiel. Dunkelheit und Dämmerung sind vorbei. Die Welt beginnt in allen Farben des Lebens zu leuchten. Die Unsicherheit der Nacht muss weichen; neue Hoffnung tritt an ihre Stelle. So können wir leben in der Gewissheit, dass Jesus als unser Lebensbrot mit uns geht.

 

 

10. Taufbrunnen und Osterleuchter

 


Seit dem Umbau im Jahr 2000 befindet sich der Taufstein nicht mehr hinten in der Taufkapelle, sondern wurde in die Nähe des Altars mitten in die Kirche gerückt. Taufe bedeutet ja nicht nur den Beginn eines Lebens mit Jesus, sondern zugleich auch die Aufnahme des Getauften in die Gemeinschaft der Gläubigen. Auffallend ist der Deckel des Taufsteins. Die obere Hälfte mit den runden Elementen erinnert an Wolken, aus denen kleine Kügelchen, wie Regentropfen nach unten in die kantigen und sich kreuzenden Linien fallen. Die Wolke ist Zeichen der verborgenen Gegenwart Gottes, dessen Liebe alles Harte und Sperrige in unserem Leben aufzuweichen vermag. In der Taufe ist der Heilige Geist Gottes Geschenk an uns. Von nun an wirkt Gottes Geist in uns wie eine unversiegbare Quelle.


Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. Mk 1,8


Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Röm 5,5


Impuls: Wie kann Gott für uns heutzutage zur Quelle werden, aus der wir schöpfen können?

Neben dem Taufbecken steht der Osterleuchter, in dem ebenfalls die aufgebrochene Form zu finden ist. Als Christen sind wir auf Tod und Auferstehung Jesu Christi getauft. Daran erinnern auch die Weihwasserbecken an den Türen der Kirche. In seinem Namen sind wir gesandt, mit unserem Leben die Frohe Botschaft zu verkündigen.

 

 

 

Ulrike Zimmerer


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