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Bau und Geschichte

 

Zur Geschichte der Ruhe-Christi-Kirche

 

Auf Initiative des Rottweiler Kaplans Ignaz Ober wurde 1710, mitten im Spanischen Erbfolgekrieg, auf dem damals freien Feld zwischen dem „Schützen" und der Altstadt mit den Arbeiten an der 1715 im Rohbau abgeschlossenen Ruhe-Christi-Kirche begonnen. Die Wallfahrtskirche von 1715 trat an die Stelle einer Kapelle, die auf dem noch heute im Chor von Ruhe-Christi befindlichen Votivbild von 1711 wiedergegeben ist.


Allem Anschein nach lässt sich schon auf der Pürschgerichtskarte des David Rötlin aus dem Jahre 1564 am Platz der heutigen Ruhe-Christi-Kirche eine einfache Kapelle entdecken, welche die Weggabelung der sogenannten „Tränkgasse", die steil ins Neckartal hinabführte, und des weiteren Weges in die Altstadt hinaus beherrschte. Wenn Darstellungen des Heilands „in der Ruhe" mit Vorliebe auf Weghöhen zu finden sind, wo einst die Fuhrwerke zum Haltmachen gezwungen waren, so wird in der Kapelle der Pürschgerichtskarte bereits damals eine Statue des ruhenden Schmerzensmannes aufgestellt gewesen sein, denn der Steilanstieg aus dem Neckartal durch die Tränkgasse zur Höhe, der am Platz der Kapelle bewältigt war, dürfte so manchen Fuhrmann dazu gebracht haben, kurz zu halten; allerdings mag dabei nicht unbedingt jeder an die letzte Rast des Erlösers gedacht haben.


Die erste schriftliche Erwähnung der Ruhe-Christi-Kapelle findet sich in einem von Wilhelm Armbruster 1588 zusammengestellten Band von Aktenstücken zur Verwaltung der Kapellenkirche, wo von „dem Ellenden bildt" die Rede ist. Spätere Nennungen und vor allem eine im Druck vervielfältigte Abbildung des „Gnaden Bildnus der Ruhe Christi oder so genanden Ellenden Bilds..." machen deutlich, dass damit das Gnadenbild der Ruhe-Christi-Kirche gemeint ist. Eswurde demnach wohl schon vor 1564 in einer einfachen Kapelle aufgestellt, die ihrerseits vielleicht einen noch älteren Bildstock ablöste.


Bildnerisch dürfte das Ruhe-Christi-Gnadenbild auf einen Holzschnitt Albrecht Dürers zurückgehen, den dieser 1510 für das Titelblatt und als Leitmotiv seiner Kleinen Passion geschaffen hat. Auch Dürers Große Passion und seine Eisenradierungen B22 von 1515 zeigen den ruhenden Schmerzensmann.


Wie die Kapelle des 16. Jahrhunderts und ihre Statue die folgenden Jahrzehnte und den Dreißigjährigen Krieg überstanden haben, ist nicht überliefert. Die Kapelle soll 1624 von einer Adeligen neu gestiftet, in den folgenden Kriegsjahren jedoch zerstört worden sein. Sicher nachweisen lässt sich, wann für das Bild dieses „Christus in der Rast", wie es andernorts vielfach angesprochen wird, erneut eine Kapelle gebaut wurde. Im Stadtrechnungsbuch 1662/63 (f.64 v) ist nämlich festgehalten: „Item den 29. Julii A. 1662 Johannes Dooser Unterbawmeistern undt Hans Rotten beeden Maurern wegen des beim ehlendten bildt verdingt undt gemachten gewelbs I.z. bezahlt 14 G." Damit dürfte die auf dem Votivbild von 1711 wiedergegebene Ruhe-Christi-Kapelle gemeint sein, die 1659 auf Initiative von Pfarrer Dr. Franz Brock von Heiligkreuz neu begonnen und vom Rottweiler Unterbaumeister Dooser 1662 abgerechnet wurde.


Die Rottweiler Ruhe-Christi-Tradition scheint also auf jeden Fall älter als in Haigerloch mit seiner seit dem 17. Jahrhundert erwähnten Ruhe-Christi-Kapelle an der Straße nach Gruol oder in Hechingen mit dem 1719 gestifteten Ruhe-Christi-Kirchlein. Von der Beliebtheit der Ruhe-Christi-Verehrung in und um Rottweil zeugen im übrigen Devotionalkopien des Gnadenbildes vor den Toren der Reichsstadt in Rottweiler Privatbesitz, aus dem Spital (Keramik), aus der Nekkarburg-Kapelle, in Dietingen und Epfendorf.


Die Gestaltung von Ruhe Christi zum „intimen Schmuckstück von bezauberndem Reiz" (Karl Ochs) unter Beteiligung von Stadtunterbaumeister Matthäus Scharpf, der Maler Johann Achert, Johann Georg Glückher und Johann Spreng sowie der Bildhauer Adam Winterhalter und Adam Bertsche ist hier nicht zu würdigen. Die Baumaßnahmen an Ruhe Christi in den Jahren seit 1710 sind aber auf jeden Fall im Zusammenhang mit dem mächtigen Aufblühen der Wallfahrt zum dortigen Gnadenbild des Passionsheilandes „in der Rast" zu sehen. Von zahllosen einschlägigen Zeugnissen aus dieser Zeit blieb wenigstens jenes prachtvolle Votivbild erhalten, das in der Werkstatt Johann Acherts entstanden sein mag und sich heute restauriert im Chor der Ruhe-Christi-Kirche befindet. Eine wohlhabende Rottweilerin hat es zusammen mit zwei wertvollen Leuchtern und einer Ampel in die im Bau befindliche Wallfahrtskirche gestiftet. Es ist davon auszugehen, dass ähnliche Votivbilder in großer Zahl während dem 19. Jahrhundert im Zeichen veränderter kirchlicher Anschauung verloren gingen.


Nicht erhalten hat sich auch auf der Ortsseite des Kirchenschiffs eine Außenkanzel. Von hier aus konnte den Wallfahrern hinaus ins Freie gepredigt werden, wenn ihre Scharen so stark anwuchsen, dass sie in der Kirche selbst keinen Platz mehr fanden. Das mag kurz vor der endgültigen Fertigstellung der Kirche so gewesen sein, als 1724 die Hundertjahrfeier für den Kapellenbau des Dreißigjährigen Krieges begangen wurde. Belegt ist für diese Zeit, dass rings um die Wallfahrtskirche von Rottweiler Händlern an eigenen Kiosken Kerzen, Rosenkränze und ähnliche Devotionalien verkauft wurden. Im Besitz des Württembergischen Landesmuseums erhalten haben sich von Ruhe Christi sogar Rosenkranzanhänger aus Metall, die damals zum Verkauf gelangt sein müssen und für die möglicherweise Johann Georg Glückher die zeichnerische Vorlage geliefert hatte. Die Reichsstadt Rottweil erstellte während dieser Zeit zur Versorgung der Wallfahrer in der Geländemulde nördlich der Kirche einen formschönen Brunnen, der erst vor ein paar Jahren beseitigt wurde, an geeignetem Platz bei der Kirche aber wiedererrichtet werden soll.


Noch weiter aufgewertet werden sollte im Barock das Vorgelände von Ruhe Christi durch einen Prozessionsweg von der Stadt her, an dessen Ende bei der Kirche ein besonderer Kalvarienberg vorgesehen war. Die Armsünderkapelle an der Königsstraße steht im Zusammenhang dieses Vorhabens. Seit 1736 plante man am Kalvarienberg selbst und hatte mit diesem Projekt den an der Klosterkirche von Beuron und schon beim Neubau von Ruhe Christi bewährten Matthäus Scharpf beauftragt. Finanziert werden sollte das Vorhaben nach den Forschungen von Wolfgang Vater aus deinem Vermächtnis von Bürgermeister Caspar Ignaz Herderer, das der Deißlinger Pfarrer Joseph Anton Ignaz Herderer später noch mit 3000 Gulden aufstockte. Allerdings ging man erst 1781 an die Errichtung des Baus des Kalvarienberges, und schon 1824waren die entsprechenden Baulichkeiten wieder beseitigt.


Auch personell sollte Ruhe-Christi so gut wie irgend möglich betreut werden. Der noch 1836 vorgesehene, nicht verwirklichte Bau eines Kaplaneihauses zeigt, dass bei Ruhe Christi ähnlich wie an der Wallfahrtskirche Triberg Kapläne als Ständige Beichtväter eingesetzt werden sollten. Gebaut wurde auf jeden Fall 1717 das noch bestehende Mesmerhaus am Südende der Kirche, wo im 18. Jahrhundert fast durchgehend Einsiedler lebten. Schon 1710 hatte sich als erster von ihnen Christian Spindler bei Ruhe Christi niederlassen dürfen. Er und seine Nachfolger beaufsichtigten die Ruhe-Christi-Kirche, läuteten ihre Glocke, leisteten Mesmer-Dienste oder standen den Gläubigen bei allerlei Anliegen zur Seite. Wenn es freilich nicht gelang, die Wallfahrt bei Ruhe Christi durch die Anstellung besonderer Geistlicher personell noch besser auszustatten und dadurch aufzuwerten, so kam es immer wieder zu Versuchen, ihr auf andere Weise besonderen Glanz und gesteigerte Anziehungskraft zu verleihen. Zweifellos gehört dazu die Ausstellung eines Ablassbriefes durch Papst Pius VI. unter dem 1. Februar 1776, der vor allem den Armen Seelen zu Gute kommen sollte. Irgendwie zeichnet sich damit auch schon eine der späteren Aufgaben von Ruhe Christi als Gotteshaus am seit 1832 belegten Rottweiler Stadtfriedhof ab.

 

Winfried Hecht in: Die Brücke- Sondernummer von 1991

 

 

Chronik

 

1988


Beginn der jetzt abgeschlossenen Außen - und Innenrenovierung in Verantwortung der inzwischen selbständig gewordenen Auferstehung-Christi-Gemeinde (Pfarrer K. Hermanns). 1991 steht nur mehr die Umgestaltung des Außenbereichs an.


 

1984


Dachstuhl-Arbeiten


 

1960 - 1964

 
Umfassende Renovierung durch Münstergemeinde (Dekan Dr. K. Ochs). Alle (52) Figuren und Gemälde, der Fußboden, Fenster und der gesamte Kreuzweg werden erneuert; Windfang, neue Bänke und moderne Beleuchtungskörper eingebaut.


 

1936


Dachinstandsetzung


 

1928


Die von der Firma Späth (Ennetach-Mengen) gefertigte Orgel wird eingebaut. 1990 wird sie durch eine Chororgel aus der Kapellenkirche ersetzt.


 

1922


Einbau von Tabernakel, innerem Kanzelzugang und elektrischem Licht.


 

ab 1903


Durch Wasserschäden stark zerstörte Deckenfresken werden restauriert, ebenso Altäre und Skulpturen.


 

1711

 

Das Votivbild- an der Chorwand- einer unbekannt gebliebenen Stifterin zeigt Vorgängerbau und Gnadenbild.


 

1700 - 1715

 

Als geräumige Wallfahrtskirche entsteht die jetzige spätbarocke Ruhe-Christi-Kirche, zugleich als letzter Kirchenbau der Reichsstadtzeit.

 

Im 18. Jahrhundert breitet sich die Verehrung des Gnadenbildes über die Stadt hinaus in der Raumschaft aus; entsprechende Devotionalkopien sind aus Epfendorf und Dietingen erhalten.


 

1662


Ein städtischer Baumeister erstellt eine neue Kapelle.


 

um 1600


Das jetzt im Hochaltar zentral ausgestellte Bild des Heilands in der Rast entsteht. Der Nachweis einer bestimmten Urheberschaft ist bisher noch nicht gelungen.


 

vor 1564


Die auf der Pürschgerichtskarte (von 1564) zu sehende einfache Kapelle hat vermutlich einen baulichen Vorgänger: das Gnadenbild als Bildstock.


 

1510 - 1515


Albrecht Dürer schafft in seinen Passionszyklen das bildnerische Vorbild für den ruhenden Schmerzensmann.


 

Werner Kessel in: Die Brücke, Sondernummer zur Ruhe-Christi-Kirche, 1991

 

 


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